Hand in Hand

18. September 2019

Hallo ihr Lieben,
wie oft ist es so, dass es einem schlecht geht oder man ein bevorstehendes Ereignis nicht alleine bewerkstelligen kann. Doch trotz der Schwierigkeiten wird alleine an dem Problem herumgetüftelt. Dabei wird es allerdings oft nicht besser, sondern erst einmal schlechter oder es verläuft viel komplizierter, als die Person es hätte haben können. Und dass nur, weil wir uns dafür schämen andere um Hilfe zu bitten. Weil wir als Versager gelten könnten, dass vielleicht doch nicht alles so perfekt ist, wie es scheint oder wir einfach nur hilflos wirken.

Ende Juli kam ich an einem Montagabend aufgrund eines sehr hohen Entzündungswertes (CRP), der ungefähr bei 350 lag, und hohen Fiebers ins Krankenhaus. Dazu ist wichtig, dass ich schon seit Freitag Fieber hatte, aber mein CRP nur bei 3 lag, weshalb aufgrund von Übelkeit der Verdacht war, dass ich mir den Magenverdorben hatte. Am Wochenende ging es mir dann eigentlich schon wieder besser und das Fieber war weg. Deshalb ist meine Mama mit meinem Stiefpapa am Sonntag morgen nach Österreich gefahren.
Nachdem ich aber Montag bei der Dialyse wieder Fieber hatte und sich am späten Nachmittag ergeben hat, dass mein CRP sehr hoch ist, hieß es für mich wieder ab ins Krankenhaus. Leider war das UKE aber total überlastet, weshalb ich in ein anderes Krankenhaus musste. Mein Start war in dem Krankenhaus leider nicht der Beste… Nachdem ich aber endlich Antibiotikum bekommen hatte, hieß es, dass ich mindestens acht bis zehn Tage im Krankenhaus bleiben müsste. In den ersten Tagen bin ich des Öfteren aufgrund von falscher Kommunikation, von der Seite der Ärzte, emotional zusammengebrochen, da mir unter anderem erzählt wurde, dass ich mir mal ernsthafte Gedanken machen sollte, wie ich mir das in Zukunft mit künstlicher Beatmung vorstelle. Nachdem meine Schwester am Nachmittag mit einem anderen Arzt gesprochen hat, hat sich dann herausgestellt, dass es nur darum ging, falls es irgendwann mal mit meiner Lunge schlechter aussehen sollte, dass ich mir dann schon einmal darüber Gedanken gemacht habe. Solche Ereignisse kamen leider in den ersten beiden Tagen öfter vor, aber zum Glück war meine Schwester in der Zeit für mich da und hat alles geregelt, während ich in meinen Fieberträumen war… Da meine Schwester natürlich auch noch arbeiten musste, konnte sie nicht die ganze Zeit bei mir sein. Allerdings brauchte ich trotzdem Hilfe und brauchte jemanden, der einfach da ist und mit aufpasst, dass alles rund läuft und mich unterstützt. Dies wurde mir besonders in diesem Aufenthalt bewusst, da meine Mama im Urlaub war und mein Vater auch. Ich war das erste Mal alleine. Natürlich war meine Schwester die Beste, aber sie wusste natürlich auch nicht alles so genau, wie meine Mama es weiß. Ich war zwischendurch wirklich aufgeschmissen und habe nur noch geweint. Es war die pure Überforderung mit der Kombination aus Fieber und dass ich das Gefühl hatte, ich stehe neben mir.
Die einzige Lösung war, dass wir die Hilfe von meiner Familie und Freunden annehmen mussten, beziehungsweise sie um ihre Hilfe baten, damit die meiste Zeit jemand bei mir ist. Mir ist das wirklich schwergefallen, weil ich immer probiere fit zu sein, nicht einzuschlafen und dass es immer zu einem Gespräch kommt. Aber diesmal ging es nicht. Ich wusste alle, die kommen werden, sehen, wie erschöpft und kaputt ich bin. Und ja, ich habe sogar manchmal auch dann geweint. Ich muss sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat, dass ich mich darauf eingelassen habe. Außerdem war es, glaube ich, auch mal interessant zu sehen für die fleißigen Helfer, dass ein Krankenhausaufenthalt für mich nicht ohne ist, ich auch mal ganz schön kaputt sein kann und worauf alles geachtet werden muss. Es ist wirklich nicht einfach. Ich weiß sehr zu schätzen, was meine Mama alles für mich tut und sie die ganze Zeit ein Auge auf die Ärzte, Schwestern und Pfleger hat, ob sie nicht einen Fehler machen. Die Krankenhausmitarbeiter sind ja auch nur Menschen und ihnen passiert mal ein Missgeschick oder Informationen werden falsch übermittelt. Deshalb ist es wirklich so wichtig immer nochmal genau nachzufragen, wenn einem etwas komisch erscheint. Manchmal frag ich mich ernsthaft, wie Menschen, die nicht schon gefühlt ihr ganzes Leben sich mit Blutwerten, Medikamenten oder diversen Arztergebnissen auseinandersetzten müssten, das alles regeln und verstehen können. Die sind zum Teil, glaube ich, wirklich aufgeschmissen. Sie müssen dem Personal wirklich blind vertrauen. Aber das ist wieder ein anderes Thema.  
In letzter Zeit habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, auch einmal die Hilfe von Anderen anzunehmen oder sie auch direkt um Hilfe zu bitten. Oft sind Probleme wirklich viel zu groß, um sie alleine zu schaffen und mit Hilfe funktioniert dann alles viel einfacher. Außerdem freuen sich die Menschen auch oft, die um Hilfe gebeten werden. Denn ihnen wird dadurch auch das Gefühl gegeben „ich werde gebraucht“ oder “endlich kann ich helfen”. Um Hilfe bitten bedeutet also nicht Schwäche zeigen, sondern zeigt uns nur wie groß wir in Wirklichkeit sind.

Hand in Hand schaffen wir gemeinsam alles!

XO Kristin

Kommentare

Liebe Krissy,
Toll wie Du das gemeistert hast.
Du kannst mir gerne jederzeit Bescheid geben wenn Du Hilfe brauchst!
Lg Johanna

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