Gefühlschaos

16. März 2019

Hallo ihr Lieben,
die Gefühle eines Menschen sind eine große, schwierige und komplexe Angelegenheit. Sie zu verstehen oder bei einer Person zu sehen ist manchmal einfach, oft aber auch schwierig, kann einen verwirren, gefühlt auch auffressen, einem Freude bereiten, glücklich machen oder auch zutiefst berühren. Gefühle spielen eine wichtige Rolle im Alltag und im ganzen Leben von jedem Menschen. Sie spiegeln wider, was gerade tief in uns vorgeht und können auch nach außen gezeigt werden. Es gibt viele unterschiedliche Gefühle, die negativ, positiv oder auch neutral sein können. Es kann also um Liebe, Freude, Angst, Wut oder zum Beispiel auch um Überraschung mit ihren jeweiligen Untergruppen an Gefühlen und Emotionen gehen.

Ich glaube Gefühle sind in unserem Leben sehr wichtig. Sie unterstützen uns bei wichtigen Entscheidungen, indem sie uns vielleicht in eine bestimmte Richtung lenken. Sie können uns aber auch daran hindern die richtige Entscheidung zutreffen. Wobei natürlich die Frage bleibt, was wirklich richtig ist und was nicht, aber das ist ein anderes Thema. Seine Gefühle jemanden anderes zu zeigen fällt einigen Personen leicht und anderen eher schwer. Manche zeigen sie unbewusst und andere probieren ihre Gefühle vor der Außenwelt zu verstecken, um zum Beispiel stark zu wirken. Aber wirkt eine Person wirklich stark, wenn sie keine Gefühle zeigen kann? Stärke bedeutet seine Gefühle anderen zu zeigen, um sie miteinander zuteilen. Manchmal verstärkt sich auch das Gefühl zum Beispiel, wenn es um Liebe oder auch Glück geht. Es heißt nicht umsonst, dass Liebe und Glück sich verdoppeln, wenn es geteilt wird. Dafür müssen sich manche allerdings erstmal einen Ruck geben, um Gefühle offenzulegen. Meist kann einem ja auch erst geholfen werden, wenn sich dazu entschieden wurde seine Gefühle zu zeigen.

Ich selbst kann meine Gefühle eigentlich ganz gut offen zeigen und bei meinem engsten Freundes- und Familienkreis kann ich mich auch ganz fallen lassen – genauso wie beim Schreiben. Es gibt aber auch Momente, in denen ich mich bewusst gegenüber anderen verschließen kann, was ich den größten Teil nicht wegen mir selbst mache, sondern weil ich die andere Person beschützen möchte. In meinem Leben läuft, wie ihr wisst, einiges nicht optimal, so wie ich es mir eigentlich für meine Zukunft vorgestellt hatte. Ich werde dauernd vor neue Entscheidungen gestellt oder es passiert mal wieder etwas Unerwartetes. Meine Gefühle fahren also regelmäßig Achterbahn. 😉

Bis letzten Mittwoch war für mich immer die einzige Möglichkeit zu leben und glücklich zu sein, dass ich operiert werden kann. Wer möchte schon gerne einen Tumor mit sich herumtragen und nicht wissen, ob er vielleicht irgendwann wieder anfängt zu wachsen. Nachdem mir also nach meinem letzten CT gesagt wurde, dass der Tumor kleiner geworden ist und er sich auch eventuell an der richtigen Stelle verkleinert hat, habe ich angefangen mir Hoffnungen zumachen. Ich war immer positiv, hatte gute Hoffnungen in Bezug auf eine Operation und habe diese auch offen gezeigt. Jedoch habe ich mich auch manchmal gefragt, ob das wirklich die richtige Entscheidung ist. Nach außen habe ich vielen gezeigt, dass ich auf jeden Fall operiert werden möchte, aber wie gesagt, hatte ich manchmal auch meine Zweifel. Möchte ich ein Leben im Rollstuhl mit Glück vielleicht auch mit Gehhilfen verbringen? Möchte ich aufhören mit Tanzen? Möchte ich die Möglichkeit aufgeben auch mal etwas spontan zu machen? Möchte ich mein Leben lang von anderen Menschen abhängig sein? Möchte ich das wirklich? Meine Antwort war immer ja, weil es hieß, der Tumor muss raus. Ich wollte schließlich offiziell als geheilt gelten und meine Lieben nicht alleine lassen, falls der Tumor irgendwann wieder wachsen sollte. Aber dafür würde ich sehr viel aufgeben und ich weiß nicht, ob es mir nach der Operation, die übrigens mit großen Risiken verbunden wäre, wirklich besser geht und ich mein Leben irgendwie weiterleben kann. Mit einigen aus meiner Familie habe ich darüber gesprochen und sie wussten, dass ich auch Angst vor der Operation und der Zukunft habe. Andere wiederum wussten nichts von meinen Bedenken und Ängsten, weil ich sie einfach schützen wollte. Mir kam es manchmal so vor, dass einige nur die Optionen Operation, wodurch ich geheilt werde, oder keine Operation gibt, die zum Tod führen würde. Natürlich kann es passieren, dass der Tumor, wenn ich nicht operiert werde, wieder anfängt zuwachsen, aber es kann auch sein, dass er eben nicht wieder anfängt zu wachsen. Bei der Operation könnte auch viel passieren, was nicht geplant war. Genauso wie es passieren kann, dass mir ein Unfall im Straßenverkehr o.ä. passiert. Also wer kann mir schon sagen, wann mein Leben wirklich zu Ende ist?

Ich habe euch meine Ängste und Gefühle gegenüber anvertraut, damit ihr mich hoffentlich besser verstehen könnt, denn es wurde gerade in den letzten Tagen eine Entscheidung getroffen. Ihr könnt es vielleicht schon erahnen, ich werde nicht operiert. Ich hatte es zum Ende hin schon im Gefühl, dass ich als nächstes Bestrahlung bekommen werde. Das Wichtigste ist allerdings, dass ich glücklich damit bin. Mir wurde eine große Entscheidung abgenommen, vor der ich wirklich Angst und Respekt hatte. Am Anfang war ich natürlich enttäuscht und traurig, aber ich wusste noch am selben Tag nach dem Gespräch mit den Ärzten, dass es die richtige Lösung ist. Die Ärzte sprechen von Jahren, die mir bleiben. Vielleicht tut sich in der Forschung in der Zeit ja auch noch etwas. Ich kann mein Leben nun auf jeden Fall fast so, wie ich es bisher gelebt habe, weiterleben. Das heißt, ich möchte, nachdem die Bestrahlung durch ist, wieder mit Tanzen anfangen, auch wenn es seine Zeit braucht und ich kürzertreten werde. Außerdem bin ich unabhängig, kann wieder neuanfangen zu studieren, kann mich in mein Auto setzen und zum Beispiel ein paar Freunde in Lüneburg besuchen und das Wichtigste ist: Ich kann mein Leben noch in vollen Zügen genießen, zwar mit ein paar Einschränkungen, aber das passt schon.

Also Leute, Gefühle sind wirklich ziemlich kompliziert, in jeder Situation anders und dabei auch noch personenabhängig. Ich finde es wichtig, seine Gefühle fast immer offen zu zeigen, denn so können die Menschen in eurer Umgebung euch richtig wahrnehmen, verstehen, auf euch eingehen und euch helfen. Natürlich gibt es Situationen, in denen es vielleicht das Beste ist seine Gefühle gegenüber anderen nicht direkt zu zeigen. Vertraut auf euer Bauchgefühl, dann werdet ihr den richtigen Weg finden. Vergesst aber nicht, dass es Stärke zeigt, wenn ihr eure Gefühle mit anderen teilt. Wenn ihr das tut, kann ich euch versprechen, dass ihr euch besser fühlt. Also ihr Lieben, ich bin glücklich und ich hoffe, ihr seid es auch.

Wie es bei mir weitergeht… Ich habe nächste Woche einen Termin zum Vorgespräch für die Bestrahlung, die in Hamburg am UKE und wahrscheinlich fünf bis sechs Wochen jeden Tag durchgeführt wird. Genaueres erfahre ich aber erst nächste Woche. Lasst solange den Kopf nicht hängen, ich tue es auch nicht. Ihr werdet mich auf jeden Fall nicht so schnell los.

Kristin XO

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