Geduld ist nicht meine Kernkompetenz

3. März 2019

Geduld. Geduld ist schwierig. Es ist nicht von der Schreibweise schwierig, sondern von der praktischen Umsetzung. Ich kenne keinen Menschen, der mir sagen würde, dass er ein geduldiger Mensch ist und gerne wartet. Ob es am Bahnhof ist, wo ungeduldig auf die Bahn gewartet wird, die vielleicht zu seinem Glück auch noch Verspätung hat oder im Wartezimmer von seinem Hausarzt sitzt und dabei weiß, dass noch mindestens 10 Menschen vor einem dran sind. Unsere Geduld wird wirklich jeden Tag getestet. Manchmal über einen längeren Zeitraum oder manchmal auch nur über 10 Minuten. Klar ist, dass das Geduldig sein nicht einer unserer stärksten Fähigkeiten ist. Bestimmt gibt es Menschen, die mit dem Warten gut zurecht kommen, aber ich gehöre auf jeden Fall nicht dazu.
Ich kann vom Warten ein Liedchen trällern. Ob es beim Arzt, MRT-Termin oder der Gabe der Chemotherapie in der Uniklinik war. Momentan ist das Warten ein großer Bestandteil meines Lebens, mit dem ich lernen muss zurecht zukommen. Bis Anfang der Woche habe ich noch auf einen MRT-Termin gewartet, weil die Uniklinik Münster gerne ein MRT von meinem Becken hätte, um herauszufinden, ob der Tumor an der richtigen Stelle kleiner geworden ist. Eigentlich hätte das MRT schon viel früher gemacht werden können, aber durch meine Nierenprobleme, ein MRT vom Oberbauch und Karneval, weshalb Münster momentan außer Rand und Band ist, wurde mein Termin immer weiter nach hinten verschoben, bis am Ende das MRT doch nicht in Münster gemacht wurde, sondern in Hamburg. Jetzt heißt es aber wieder geduldig sein und abwarten, was Münster zu den neuen Bildern sagt. Es sind große Entscheidungen, die wahrscheinlich in den nächsten zwei Wochen fallen werden, was meiner Familie, meinen Freunden und mir viel abverlangt. Entweder es gibt eine Operation oder der Kampf geht auf eine andere Weise weiter.
Wie ich das alles schaffe und dabei positiv bleibe? Ich würde euch jetzt gerne sagen, dass das einfach ist und ich mir keine großen Gedanken mache, aber das wäre gelogen. Wie ich bereits erwähnt habe, warte ich nicht gerne. Durchs Warten fangen oft meine Gedanken an verrückt zu spielen und ich male mir viele verschiedene Szenarien aus und desto länger der Zeitraum ist, desto tiefer gehen diese Gedanken. Doch ich probiere mich nicht in diese Gehirngespinnste zu tief zu verfangen. Oft schweife ich nur für einen kurzen Moment ab oder probiere sie in etwas Positives zu verwandeln. Besonders wenn ich an meine Zukunft denke. Dabei werde ich immer wieder von meiner Familie und auch Freunden unterstützt. Sie helfen mir auf andere Gedanken zukommen und mein Leben jeden Tag zu genießen, wodurch das Warten etwas einfacher und schöner wird.
Durch sie ist mir bewusst geworden, dass das Warten und Geduldig sein auch nicht immer negativ sein muss, sondern auch schön sein kann und das gerade durch das Warten einem erst richtig bewusst wird, wie wunderschön und toll etwas sein kann. Außerdem wird auch noch einmal die Vorfreude gestärkt und einem wird bewusst, wie einzigartig ein Ereignis sein wird. Ein schönes Beispiel ist bei mir die Hochzeit von meiner Schwester und meinem zukünftigen Schwager. Die Hochzeit ist erst im Juni und eigentlich würde ich mir wünschen, dass die Zeit schneller vergeht, weil ich einfach weiß, wie traumhaft die Hochzeit wird. Nach längerem Nachdenken ist mir aber aufgefallen, dass es gut ist, dass die Hochzeit erst in ein paar Monaten ist. So kann ich mich richtig auf den Tag freuen und er vergeht nicht, wie jeder andere. Außerdem weiß ich, was noch alles davor passieren wird vom Abendkleid aussuchen, Hochzeitstorte besprechen bis hin zum Basteln und am Ende dekorieren der Location. Gerade diese Kleinigkeiten machen die Reise bis zu diesem Tag zu etwas persönlichen und einem besonderen Ereignis. Deshalb habe ich in diesem Moment kein Problem damit geduldig zu sein und auf den besonderen Tag zu warten.
Processed with VSCO with f2 presetNehmt euer Leben also mal genau unter die Lupe und seid nicht gleich negativ gestimmt, wenn ihr mal wieder Geduld haben müsst, oft ist es gar nicht so schlimm, wie gedacht.Ein Wechsel der Perspektive hilft einem oft auch dabei die Situation von einer anderen Seite zusehen und wenn das nicht klappt, bittet um Hilfe. Euch wird sicher jemand zuhören und in schwierigen Situationen unterstützen. Sonst kann ich euch nur noch den Rat geben, lenkt euch ab, ob es ein schönes Buch ist, ein Spaziergang an der frischen Luft, ein Treffen mit der besten Freundin oder dem Freund. Das Wichtige ist, macht irgendetwas und sitzt nicht nur zu Hause rum, haltet die Ohren steif. Es gibt immer irgend jemanden, der Lust und Zeit hat euch ein bisschen abzulenken.

Kristin XO

Kommentare

So ein schöner Text! Ich freu mich auch sehr und hab dich sehr lieb! :-*

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