Ein Interview

24. Juli 2018

Hallo ihr Lieben,

Als ich vor kurzem so lange im Krankenhaus war, aufgrund des Fiebers etc., da habe ich eine Nachricht auf meinem Blog von einer Studentin namens Anne von Appen bekommen. Sie studiert Kulturwissenschaften und muss für die Uni ein Interview durchführen, wobei Sie auf meinen Blog gestoßen ist und mich gefragt hat, ob sie das Interview mit mir durchführen kann. Ich habe natürlich zugesagt und ein paar Tage später kam sie dann zu mir ins Krankenhaus. Nun wurde das Interview von Anne zu Papier gebracht und damit ihr von dem Interview auch etwas habt, habe ich das Einverständnis von ihr bekommen es hier auf meinem Blog hochzuladen. Ich hoffe es gefällt euch und ihr erfahrt noch einiges Neues, was ihr über mich persönlich und meine Krankheit noch nicht wisst. Wenn euch das Interview von Anne von Appen gefallen habt und ihr gerne mehr über Sie erfahren möchtet, dann folgt ihr doch selbst auf ihrem Blog taubenohnehauben.wordpress.com. Viel Spaß beim Lesen.


XO Kristin

 

 

“Wie willst du schlafen, wenn du weißt, dass du einen Tumor im Becken hast?” – Ein Gespräch mit Ann-Kristin Meyrose, die an Krebs erkrankte und heute einen Blog darüber führt.

Anne von Appen

Wie geht es dir heute?
Kristin: Gut. Heute bin ich ziemlich da. Mal schauen was der Tag noch mit sich bringt. 

Du führst einen Blog auf dem du von deiner Krankheit und deinen Erfahrungen berichtest. Wie kam es dazu?
Kristin: Meine Mama hat früher einen Blog geführt, als ich vor ca. 10 Jahren Leukämie hatte. Der hatte eine Unterrubrik, die “Krissy” hieß und da hat sie alles eingetragen, was es gerade so Neues über mich gab. Anfang des Jahres wurde mir gesagt, dass ich einen Tumor im Becken habe. Da dachte ich, ab jetzt kann ich den Blog selbst weiterführen. Das ist für mich wie Tagebuch schreiben. 

Laugh Love Fight – Wie bist du auf diesen Blognamen gekommen?
Am Anfang hieß er noch “Life Laugh Love Fight”, aber das war zu lang. Man darf niemals vergessen zu lachen. Ich bin ein Mensch der unheimlich viel und gerne lacht – daher Laugh. Love steht für den Zusammenhalt zwischen mir, meiner Familie und meinen Freunden. Kämpfen muss man immer. Ohne schaffe ich es nicht. Ich bin schon Tante geworden und das möchte ich noch öfter werden. Deswegen die drei Wörter. Sie passen generell zu mir als Person.

Schon mal irgendwelche Hass-Kommentare bekommen?
Kristin: Bis jetzt noch nicht.

Gibt es Kommentare im realen Leben, die dich nerven?
Kristin: Bisher kam nichts Negatives. Meine ganzen Freunde standen sofort hinter mir. Ich habe immer noch offene Nachrichten, weil ich mit den Antworten nicht hinterherkomme. Die schreiben mir alle trotzdem noch. Es wäre natürlich schön, wenn manche erst auf meinem Blog nachlesen würden. Durch die Chemo konnte ich die letzten Wochen einfach nicht schreiben.
Schwester: Ihre Leser machen sich natürlich Sorgen. Wenn kein Beitrag kommt wissen die, dass es Krissy wahrscheinlich nicht so gut geht.

Kannst du dich an den Tag erinnern, als du das erste Mal die Diagnose bekommen hast?
Ja. Das war schrecklich. Ich hatte schon länger Schmerzen im Becken. Anfangs schwach, sie wurden jedoch immer stärker. Ich bekam von mehreren Ärzten eine Stressfraktur im Becken diagnostiziert. Wir dachten okay, mit Vitamin D und Calcium heilt das schon wieder ab. Es wurde aber nicht besser. Dann musste ich im April nochmal zum Kontroll-CT. Ich lag da auf der Liege und habe gemerkt, dass etwas nicht stimmt. ‘Wieso nehmen die mich nicht wieder raus? Es hieß doch, das wäre gleich zu Ende’. Ein Arzt sagte mir, man müsse mir Kontrastmittel spritzen. Im Gespräch darauf hieß es, es könnte ein Bluterguss sein oder ein Tumor, aber eher ein Tumor. Meine Mama und ich saßen da und … wir konnten nicht mehr. Wir sind aus allen Wolken gefallen. Schon einmal Leukämie. Wir dachten mit der Knochenmarktransplantation wäre das vorüber. Dann das. Das war nochmal ein Schlag in die Fresse. Ich habe mich nur gefragt ‘Wieso? Wieso ich? Habe ich etwas falsch gemacht?’. Da bricht erst mal alles zusammen. Wir sind nachhause gefahren und haben versucht uns zu beruhigen. Natürlich ging das nicht. Wir konnten es nicht fassen. Der Tumor war mittlerweile schon 11 cm groß und ist niemanden aufgefallen? Ich habe noch Bilder von diesem Tag vor Augen. Genauso wie von dem Tag, als man mir sagte, dass ich Leukämie habe. Das sind Bilder, die wird man nie mehr los.

Was hilft dir positiv zu bleiben?
Kristin: Meine Familie. Wir sind eine riesen große Patchwork-Familie. Schon damals, als ich Leukämie hatte waren sie für mich da. Jetzt merke ich wieder, wie alle ein Stück weiter zusammenwachsen. Sie und meine Freunde sind für mich der Hauptgrund, warum ich gesund werden möchte. Und mein Freund…

Wie lange seid ihr zwei zusammen?
Kristin: Noch nicht so lange. Seit Dezember 2017, wir kennen uns aber schon seit November. Ist halt jetzt schwierig, weil ich so viel im Krankenhaus bin und er viel arbeiten muss. Das kann man nicht so einfach vereinbaren. Er kann nicht so für mich da sein, wie er es gerne wäre, aber das stört mich nicht. Ich weiß er bedeutet mir alles.

Wo habt ihr euch kennengelernt?
Kristin: … Bei Tinder (lacht).

Also auch online?
Kristin: Ja, auch online.

Kannst du dir vorstellen professionell zu bloggen?
Kristin: Ich weiß es nicht. Momentan ist es eine private Sache, aber ich möchte gerne anderen helfen können. Wenn ich jetzt irgendwas Neues herausfinde… zum Beispiel meine tolle Perücke. Ich weiß nicht, ob dir das aufgefallen ist.
Dass du eine Perücke trägst? Nö.
(Lacht) Meine Haare fallen gerade etwas aus, oder auch etwas mehr. Die Perückenverkäuferin hat mich super beraten, da habe ich überlegt vielleicht mal über den Shop zu schreiben.

Setzt sich unsere Gesellschaft zu wenig mit der Krankheit Krebs auseinander?
Kristin: Ja. Als bei mir Leukämie diagnostiziert wurde war ich ziemlich jung. Ungefähr 11. Meine Mitschüler kamen damit überhaupt nicht klar. Die konnten nicht verstehen, warum ich so oft gefehlt habe und trotzdem gute Noten bekam. Es kamen immer wieder Fragen wie ‘Warum darf sie mit dem Auto mitfahren und wir müssen alle Bahn fahren?’. Da war immer der Glaube ich bekäme eine Sonderbehandlung. Das war nicht einfach. Ich hatte aber zum Glück meine Freunde, die mich dann verteidigt haben. Vor allem an Schulen, sollte sich mehr mit dem Thema auseinandergesetzt werden. Wenn zum Beispiel jemand mit einem Kopftuch rum läuft, weil derjenige eine Glatze hat und alle starren… das macht es für einen selbst noch schwieriger. Das ist dann gleich so ‘Krebs’.

Kennst du ähnliche Blogs wie deinen, denen du auch folgst?
Kristin: Ehrlich gesagt nicht. Das war bei mir so, dass ich mir einfach dachte ich probier’s mal aus. Dann kamen immer mehr Follower.

Wie viele hast du denn gerade?
Kristin: Noch nicht sooo viele (lacht).
Schwester: Das sind halt alles Freunde und Verwandte. Als wir den neuen Beitrag gepostet haben waren es dann an einem Tag 400 Aufrufe. Es ist jetzt ja nicht so, als würden wir das groß promoten oder in die Öffentlichkeit verbreiten wollen.
Kristin: Und dann habe ich mich das erste Mal getraut den Blog bei Facebook und Instagram hochzuladen. Das war aufregend. Es sind kleine Zahlen, aber man freut sich über jeden einzelnen.

Wie planst du gerade deine Zukunft?
Kristin: Das weiß ich jetzt auch noch nicht genau. Gerade bin ich an dem Punkt, wo ich sage ich breche mein Studium ab, auch wenn ich es eigentlich gar nicht möchte. Mal gucken was noch alles kommt und ich werde wahrscheinlich erst mal wieder zuhause wohnen.

Hast du in einer WG gewohnt oder alleine?
Kristin: Ich bin mit einer Freundin in eine 3-Zimmerwohnung gezogen. Sie ist wunderschön und auch total modernisiert.  

Gibt es jemanden, dem du dankbar bist?
Kristin: Meiner Schwester. Sie war meine Spenderin bei der Knochenmark-Transplantation. Meiner Mama. Die ist echt n Wirbelwind, ich weiß nicht wie sie das alles schafft.  
Schwester: Da sind ganz viele. Manche fragen sich “Warum werde ich nicht genannt?”. Wir stehen ihr zwar mit am nächsten, aber jeder gibt seinen Teil.

Hast du noch etwas, das dir auf dem Herzen liegt?
Schwester: Mir fällt da noch was ein, was dich ziemlich geärgert hat. Wir wurden viel hin und her geschickt. Da hat sich keiner verantwortlich gefühlt.
Kristin: Stimmt. Ich habe die Diagnose bekommen und dann wurden wir einfach nachhause geschickt. Wie willst du schlafen, wenn du weißt, dass du einen Tumor im Becken hast?

Fühlt man sich da allein gelassen?
Schwester: Wir haben schon eine Krebserkrankung durchgemacht. Ich selber arbeite hier im Krankenhaus. Unsere Familie ist gebildet und spricht deutsch. Ich frage mich wie es erst anderen gehen muss, wenn es für uns schon so schwierig war.

Kommentare

Wow, total tolles Interview. Danke das ihr dieses persönliche Gespräch mit uns teilt. 🙂
Ich kann nur bestätigen, deine Perücke sieht total toll aus. Wirklich großes Lob an die Verkäuferin 😀
Fühl dich gedrückt mein Krossi :*

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