Die Unendlichkeit der Drähte

10. August 2019

Hallo ihr Lieben,
heute habe ich mal wieder einen anderen Beitrag für euch. Eine sehr gute Freundin von mir, die ich während meines Studiums kennengelernt habe, ehemalige Mitbewohnerin und Matheseminar Partnerin ist gerade dabei ihren Bachelor zur Grundschullehrerin zu machen. Dazu gehörte auch die Abschlussausstellung, wo jeder Kunststudent ein Werk ausstellt. Was das mit mir zu tun hat fragt ihr euch? – Ich durfte Janina zu ihrem fantastischen Werk inspirieren. Ich fand es einfach so toll und schön, dass ich sie inspirieren durfte, dass ich ihr Werk mit euch allen teilen möchte. Janina hat eine Konstellation gebaut, die aus vielen Drähten und einem Infusionssystem besteht. Die Drähte als Ganzes, stellen den Tumor da und das Infusionssystem lässt an den Drähten die Chemotherapie, in diesem Fall Wasser, langsam hinunterlaufen. Angelehnt ist ihr Werk an meinen Blogbeitrag „Geduld ist nicht meine Kernkompetenz.  

Da die Künstlerin ihr Werk am besten selbst vorstellen kann, war ich so frei und habe hier für euch die Beschreibung von ihrem Werk eingefügt. Genauso wie den Artikel aus der Landeszeitung von Lüneburg, die am 25.06.2019 erschienen und auf Seite 10 zu finden ist. Viel Spaß beim Lesen! 



Instalation: „Geduld“

„Geduld ist nicht meine Kernkompetenz“. Dieses Zitat stammt von der Krebspatientin, meiner guten Freundin und ehemalige Mitbewohnerin, Kristin. Im Frühjahr 2018 wurde bei ihr ein bösartiger Osteosarkom Tumor am Becken diagnostiziert. Das letzte Jahr war voller Ungewissheiten, das Auf und Ab ihres Genesungszustandes und das geduldige Warten auf positive Untersuchungen haben mich oft sehr emotional aufgewühlt und beeinflusst. Das langsame Tropfen der Chemotherapie und das geduldige Warten auf Besserung kann Menschen ziemlich belasten. Aus diesem Grund möchte ich mit meiner Installation den langsamen Verlauf einer Krebsbekämpfung symbolisieren und besonders das langsame Tropfverfahren einer Chemotherapie darstellen. 

Durch die verschiedenen Dicken der Drähte, die unregelmäßigen Abstände zueinander, sowie den Verläufen und Biegungen der Drähte, soll die unsymmetrische Form und Komplexität eines Tumors dargestellt werden. Wie auch die Künstlerin Stefanie Welk schreibt, verschwindet bei einer Drahtskulptur das vordergründige Schwere und die Körpergrenzen werden aufgelöst. In dem weißen Holzkasten wurde ein, für den Betrachter, nicht sichtbares Infusionssystem installiert, welches die Drähte in regelmäßigen Abständen bewässert. Durch das langsam gleitende Wasser werden die Ausdauer und Geduld, die für eine Krebsbehandlung nötig sind, verdeutlicht und die Tropfen stellen die Infusionslösung dar. Insgesamt greifen die einzelnen, sichtbaren Elemente der Installation in ihrer Farbgebung und Wirkung die Farben des Raumes auf.  Auch ein bösartiger Tumor wird oft erst spät erkannt und kann dadurch unauffällig wachsen. Dieser Aspekt wird von dem kühlen, eher düsteren Kellerraum, da kein natürliches Tageslicht hineinscheint, ebenfalls unterstrichen. Das weiß angemalte Holz der Installation verschmilzt mit den weißen Wänden und der weißen Decke. Der kalte Aluminiumdraht mit seinem silbrigen Glanz harmoniert in dessen Farbigkeit mit dem grauen, rauen, steinigen Boden und steht dennoch in seiner Materialität im Kontrast dazu. Das Material Aluminium bildet an der Luft eine undurchdringliche Oxidschicht und macht reines Aluminium sehr korrosionsbeständig und widerstandsfähig. Dieses korrespondiert ebenfalls mit der Tumorbehandlung, die schwierig und langwierig ist. Dennoch können Tumore sich leicht in ihrem Aussehen verändern, wie auch der Aluminiumdraht leicht verformbar ist. Aluminium wird aufgrund seines hohen Reflexionsgrades als Spiegel-Beschichtung von Oberflächen verwendet. Die Lichtreflektionen der Drähte der Installation können als entstehende Streuung eines Tumors gedeutet werden.

Auch der Künstler John A. Douglas griff mit seiner Performance „Body Fluid“ das Thema Krankheit auf, indem er seine 10 stündige Dialyse im goldenen Ganzkörperanzug mit langsamen Bewegungen verkörpert.



Wahnsinn oder? Ich bin einfach begeistert und unheimlich stolz auf Janina. Sich so etwas einfallen zulassen und es dann auch noch so toll umzusetzen verdient wirklich seinen Respekt. Sie verdient aber nicht nur bei diesem Kunstwerk meine Anerkennung, sondern sie ist auch eine richtig tolle Freundin. Ich habe sie immer als meine beste Freundin aus Lüneburg bezeichnet und das ist sie auch immer noch, auch wenn ich dort jetzt nicht mehr mit ihr zusammenwohne. Sie war wirklich immer für mich, wie viele auch von euch, da. Wir kennen uns erst seit Herbst 2016 und trotzdem habe ich sie sofort in mein Herz geschlossen. Ich habe mit ihr die ersten Übungszettel in Mathe bearbeitet und wusste, dass das eine Freundschaft wird, die auch noch halten wird, wenn die Uni vorbei ist und wir beide später alt und hoffentlich noch einigermaßen fit sind. <3 Ich kann jeden nur wünschen, dass er jemanden an seiner Seite hat, wie Janina. 

So jetzt ist erstmal genug Rührseligkeit geflossen. Vielleicht konnten Janina und ich euch auch dazu inspirieren mal eure kreative Ader fließen zu lassen. Vielleicht seid ja ihr der Nächste über den ich einen Beitrag schreibe? Also ran an die Staffelei oder an die Werkbank und lasst einfach eurer Kreativität freien Lauf. Auch um vielleicht einfach mal runterzukommen.

Fühlt euch gedrückt!

XO Kristin

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